Montag, 20. März 2017

Julia-Hülsmann-Trio

Heute stand das Julia-Hülsmann-Trio auf der Jazzbühne des Forum Gestaltung.
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Das Julia-Hüslmann-Trio spielte vor vollem Haus und Warnfried Altmann war die Freude darüber anzumerken. "Es gibt nichts schöneres für einen Veranstalter, als dass er noch Stühle schleppen muß", sagte er bei der Begrüßung der Musiker. Für Julia Hülsmann war das Magdeburger Konzert der Auftakt einer Tournee, in dem sie gemeinsam mit ihrem Trio dessen neue CD "Sooner and Later" vorstellte.

Zarte Klavier-Akkorde standen am Beginn des Konzertes, mit denen Julia Hülsmann einen langsamen Beat vorgab. Als Baß und Klavier hinzukamen, blieb die Musik zunächst ruhig, nahm erst allmählich Fahrt auf. Überhaupt bestimmten über lange Zeit hinweg die ruhigen Töne des Trios das Konzert, mit langen Solos am Piano, das Julia Hülsmann lange nachklingen läßt. Sehr interessant war "Biz Joluktuk", ein Stück, daß das Trio von einem Workshop in Kirgisien mitbrachte. "In der Hauptstadt Bischkek kam eine 12jährige Geigerin auf uns zu und spielte diese Melodie", sagte Julia Hülsmann, "wir haben uns dann die Noten geben lassen und das Stück für unsere CD eingespielt". Mit sanften, langsam und leise nachklingenden Klaviertönen. Als das Schlagzeug einsetzt, sacht wie ein Sommerregen, wirkt selbst das wie die Störung einer himmlischen Ruhe. Das Ohr verfolgt die Melodie um so aufmerksamer und konzentrierter, bis sie zwischen Baß und Drums verschwindet.

Später ließ sich das Trio von einigen Melodien der in Leipzig geborenen und später in Frankfurt und New York lebenden Jazzerin Jutta Hipp. Die Pianistin, die in Deutschland der Nazizeit in illegalen Jazz-Kapellen auftrat, spielte bis Mitte der 1950er Jahre in New York, bis Jutta Hipp plötzlich die Musik aufgab. Konzentrierte Rhythmen bestimmten das Spiel des Trios, betonten die perkussiven Seiten aller drei Instrumente. Marc Muellbauer begeisterte durch sein virtuoses Spiel am Baß, den er leise streichelt, klopft, seine Finger Töne erzeugend die Saiten entlangwandern läßt.

Als das Trio mit "From affar" wieder zur aktuellen CD zurückkehrte, war der harmonische Wohlklang zu hören, für den das Plattenlabel ECM so bekannt geworden ist. In scheinbar beiläufig und leicht gespielte Klavierpassagen mischen sich Heinrich Köbberlings zurückhaltende Percussion- und Schlagzeugklänge und Marc Muellbauers sanft gezupfter Baß. Die akustische Abstimmung zwischen den drei Musikern offenbart großes Können und gegenseitige Vertrautheit.

Julia Hülsmann erwies sich als Meisterin des sparsamen Umgangs mit den Tönen. Ein Stück, das so ruhig und sanft wirkte, daß ich schon das Wort "Wiegenlied" in mein Notizbuch geschrieben hatte, war dann tatsächlich eines, wie Julia Hülsmann im Anschluß sagte. Genauer: Erich Kästners "Wiegenlied väterlicherseits". Julia Hülsmanns Version der Vertonung von Edmund Nick entstand für ein Hörspiel.

Weitere Stücke des Konzerts stammten vom Schlagzeuger Heinrich Köbberling (das sehr rhythmusbetonte "later") und vom Bassisten Marc Muellbauer (das melodische "Offen" und das dem Tod Muhamad Alis gewidmete "The poet" – mit der interessanten Information, daß der Boxer auch Gedichte schrieb). Insgesamt war in dem Konzert eine tolle Ensembleleistung zu hören, das Magdeburger Publikum erlebte einen hörenswerten Abend.


Donnerstag, 9. März 2017

Vorschau Jazztage

Vom 20. bis zum 23. April werden wieder die Magdeburger Jazztage stattfinden, mit Konzerten in mehreren Magdeburger Locations.


Donnerstag, 20. April 2017, 20.00 Uhr (20 € ermäßigt 15 €)
Gesellschaftshaus Magdeburg
Der Eröffnungsabend
Nu Jazz aus Osteuropa

Zoltan Lantos’s OpenSource (HU)
Zoltan Lantos – Violine, Electronics
Aron Talas – Keyboards
Tibor Fonay – Bassgitarre, Kontrabass
Laszlo Csizi – Schlagzeug
Andrew J – Turntable, Electronics

FlyWeToTheMoon (BG)
Rokko Zahariev – Trompete, Percussion
Georgi Donchev – Bass
Todor Stoyanov – Keyboard
Alexander Daniel – Schlagzeug

Freitag, 21. April 2017, 19.00 Uhr (20 € ermäßigt 15 €)
Forum Gestaltung
Der Klubabend

Stefan Schultze Trio (D, USA)
Stefan Schultze – Piano, Peter Ehwald – Sax, Tom Rainey –
Schlagzeug

Uli Gumpert Quartett (D)
Uli Gumpert – Piano, Henrik Walsdorff – Sax, Jan Roder – Bass, Michael Griener – Schlagzeug

Veryan Weston – Piano, Trevor Watts – Sax,
Peter Knight – Violine (UK)

Samstag, 22. April 2017, 19.00 Uhr (30 € ermäßigt 25 €)
Gesellschaftshaus Magdeburg
Das Piano

Aki Takase – Solo-Piano (JP)
„My Ellington“

Julie Sassoon – Piano, Willi Kellers – Perc. (UK, D)

Joachim Kühn – New Trio (D, CA)
„Beauty & Truth“
Joachim Kühn – Piano, Chris Jennings – Bass,
Eric Schaefer – Schlagzeug

Sonntag, 23. April 2017, 12.00 Uhr (15 € ermäßigt 10 €)
Gesellschaftshaus Magdeburg
Das Orchester

LeipJAZZig-Orkester spielt Hanns Eisler, Leitung Stephan König (D)
Stephan König (ld, p, comp, arr), Thomas Prokein (vl),
Ulrike Strobel (vc), Frank Bartsch (trp), Gundolf Nandico (hrn),
Natascha Zickerick (tba), Frank Nowicky (fl, alt-sax, ten-sax, cl),
Michael Arnold (ten-sax, alt-sax, sopr-sax, cl),
André Bauer (alt-sax, bar-sax, cl, bass-cl), Jan Roth (dr)
Michael Breitenbach (sopr-sax, alt-sax), Frank Kaiser (git),
Stephan "Grete" Weiser (bg), Wolfram Dix (vib, perc),

Parellel zu diesem Konzert gibt es für Kinder im Alter von 4 bis 8
Jahren ein musikalisches Programm zum Mitmachen: "Wir kochen
heute Musiksuppe."- Experimentelle Küche mit musikalischen
Zutaten. Mit der Musikpädagogin Claudia Bandarau.
Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Kinder mitbringen. Die Teilnahme
ist für die Kinder, bei Vorlage der Konzertkarten der begleitenden
Erwachsenen, kostenlos.

Mehr dazu im Flyer der Jazztage, den Sie hier herunterladen können (pdf, 2,2 MB).

Für alle Konzerte zusammen gibt es im Vorverkauf (im Forum Gestaltung, forum-gestaltung.de) ein Festival-Ticket zum Preis von 60 Euro.

Freitag, 24. Februar 2017

Vorschau März

Am Montag, dem 20. März wird um 20 Uhr das Julia-Hülsmann-Trio bei Jazz in der Kammer auftreten.
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Bereits im Jahr 2015 war Julia Hülsmann zu Jazz in der Kammer angekündigt, damals kam ein Auftritt in New York dazwischen. Nun aber kommt die Pianistin mit ihrem Trio tatsächlich nach Magdeburg. Ich freue mich auf ihre ebenso gefühlvolle wie kräftige Klaviermusik.



Montag, 20. Februar 2017

Bauer und Rastig

Heute standen Conny Bauer und Louis Rastig auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung:
Conny Bauer – Posaune
Louis Rastig – Piano

Vor dem Jazz-Konzert im Magdeburger Forum Gestaltung gibt Warnfried Altmann einen diesmal etwas umfangreicheren Ausblick ("einen längeren Werbeblock", wie er es scherzhaft nennt) auf die kommenden Konzerte, zu denen im April auch die Magdeburger Jazztage gehören. Und er erinnert an die Ursprünge von Jazz in der Kammer, das es bereits in den 70er Jahren gab. "Damals war der Jazz, war die freie Interpretation Musik des Protestes", sagte Altmann, "das Brechen von Normen, das Verstoßen gegen Konventionen war etwas revolutionäres". Und, auf den Posaunisten Conny Bauer hinweisend, "einer der ganz großen Musiker von damals steht heute wieder auf der Bühne von Jazz in der Kammer".

Conny Bauer beginnt das Konzert mit ganz einfachen Tonfolgen, mit einer Reihe sich wiederholender aufgelöster Akkorde. Langsam, wie sich an die Töne herantastend, während Louis Rastig ihm mit schnellen Variationen am Klavier schon vorauseilt. Bei Bauers ruhigen Tönen bleibt es nicht lange, auch er wird schneller, seine Tonstrukturen komplizierter, später setzt er auch noch seine Stimme ein, die sich den Klängen der Posaune überlagert, sie variiert. Das sind dann nicht mehr nur Töne eines Blasinstrumentes, mitunter mag man das Knurren eines wilden Tieres heraushören oder das Brummen einer (sich noch dazu auf der Bühne bewegenden) Maschine. Dazu hämmert Rastig seine Akkorde und Töne auf dem Flügel, bewegt sich auf der Klaviatur wirklich vom tiefsten zum höchsten Ton, variiert zugleich seine Lautstärke von kräftig laut bis fast unhörbar leise und sanft.